Reiseinformationen Marokko - Mauretanien - Tunesien

Chinguetti

vom Sand verwehte heilige Stadt der Muslime

Chinguetti liegt am Ende des Adrar-Plateaus und dem Beginn der Ouarane-Dünen, die sich bis fast nach Mali ziehen. Die Stadt wurde im 13. Jh. gegründet und gilt als siebtheilige Stadt des Islam, im 13. Jh. gab es hier bereits 20.000 Einwohner und 11 Moscheen. Der Name bedeutet Brunnen der Pferde. Sie war wichtige Etappenstation für Kamelkarawanen durch die Sahara. Die Region war der Geburtsort des Sanhadscha - Bundes und war zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert das kulturelle und religiöse Zentrum der ganzen Sahara und lange Zeit die unerreichbare Burg der Mauren. Später war sie das Zentrum der Unabhängigkeitskämpfer gegen die französische Kolonialmacht. Sie gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Der alte Ortsteil war fast ganz vom Sand zugeschüttet, aber mit Geldern der EU wurde er wieder freigelegt. Eine Messlatte zeigt an, wie hoch der Sand damals reichte. Vom Fluss getrennt liegt auf der anderen Seite der neue Teil mit den Verwaltungsgebäuden, in den man von Atar aus zuerst gelangt.

Altstadt
Am Ende der Piste trifft man auf ein großes, rechteckiges Haus, das ist die Markthalle. Dort werden Lebensmittel verkauft, aber auch Souvenirs von Frauen angeboten. Leider handelt es sich nicht um schöne Kunsthandwerksprodukte, sondern um ziemlich billigen Trödel, der in einer Schale angeboten wird. Sobald man auftaucht wird man sofort von den Frauen umringt und zum Kauf gedrängt. Dennoch gibt es auch gutes zu berichten, ich verlor beim Aussteigen mein für meine Recherchen ziemlich wichtiges GPS-Gerät und ein Junge fand es und gab es mir. Das hat natürlich dann ein "Cadeau" verdient. Ansonsten sollte man nicht wahllos Geschenke verteilen ohne Gegenleistung. Das verführt nicht nur die Kinder zum Betteln, sondern man hat auch sofort einen ganzen Schwarm Frauen und Kinder hinter sich.
Vor der Markthalle rechts geht es durch enge Gassen zu der sehenswerten mittelalterlichen Moschee aus dem 13. Jh. Auf der Spitze des Minaretts sind jeweils an den vier Ecken des Turms große Straußeneier angebracht. Leider ist auch hier der Eintritt nur Moslems gestattet. Daneben ist die Bibliothek mit alten Manuskripten aus dem 17. Jh. (Eintritt 1.000 UM). Neben der Moschee ist das Haus einer Frauenkooperative, die teils selbst hergestellte Souvenirs verkauft. Im Haus kann man eine Treppe besteigen und hat einen schönen Blick von oben auf den Ort und die Moschee.
Im Norden der Oase ist ein kleines Museum. Doch hat auch jeder, der noch ein altes Buch bei sich fand, ein Schild ans Haus angebracht "Bibliothek und Museum".

Unterkunft
L'Eden, am Stadteingang links neben der Tankstelle, wenn man von Atar kommt, Tel. 2205 3902, Mobil 4646 2596, http://membres.lycos.fr/mahmoudedenEmail
Mahmoud hat bereits 1986 sein erstes Gästehaus in Chinguetti eröffnet und war damit einer der ersten in Mauretanien. Er ist außerdem der Verwalter einer dortigen Bibliothek. Das Eden ist ein wirklich liebenswürdiger Ort für alle, die nicht im eigenen Fahrzeug schlafen können/wollen. Schön ist die besondere Steinarchitektur des Gebäudes, traditionell für diese Region. Es gibt einen dicht bepflanzten Innenhof mit Obstbäumen, um den sich die Zimmer gruppieren. Sie sind hübsch eingerichtet, Lampen erleuchten die Nacht. Die Bäder sind separat, aber sehr ordentlich und hübsch mit warmem Wasser. Die Vollpension kostet 10.500 UM pro Person. Und natürlich werden Exkursionen angeboten. Es gibt auch ein Teleskop, um die Sterne anzuschauen.

Mahmoud hat eine Schule "Ecole stage Mehari", in der man innerhalb einer Woche lernen kann, selbstständig mit einem Kamel umzugehen. Es werden täglich kleinere Touren gemacht, man kommt aber abends immer zur Auberge zurück. In der zweiten Woche wird dann eine längere Wüstentour unternommen. Mahmoud spricht Französisch und ein wenig Englisch, aber mit dem Schreiben hapert es. Aber irgendwie bekommt man schon Antwort auf seine Email-Anfragen.
Und wenn Mahmoud anbietet, Sie mit in seinem Oasengarten zu nehmen, sagen Sie ja. Schon die 4 km lange Fahrt dorthin ist wunderschön, es geht durch das sandige Oued, das von hohen Sanddünen eingerahmt ist. Auf der rechten Seite liegen die Reste des alten, vom Sand verwehten Chinguetti. Der Garten ist dann ein richtiges kleines Paradies, in dem sich während eines heißen Tages wunderschön ruhen lässt. Man kann aber auch über Nacht bleiben. Im Garten wachsen alle möglichen Arten von Früchten, Mahmoud ist der einzige, der das Experiment wagt, neben Datteln noch Obst anzupflanzen und er hat großen Erfolg damit. Es gibt Weintrauben, Mangos, Granatäpfel und vieles mehr. Zur Abkühlung kann man in ein kleines Wasserbecken springen.
In den Dünen auf der anderen Seite des Oued wird Mahmoud eine weitere Auberge bauen.