Sousse
Die Gouvernoratshauptstadt ist mit 440.000 Einwohnern
nach dem Großraum Tunis und Sfax die drittgrößte Stadt des Landes, was
sich im starken Verkehr und im Mangel an Parkplätzen bemerkbar macht. Ihr
arabischer Name "Soussa" heißt übersetzt
"Seidenraupe". Eine malerische Altstadt und ausgedehnte Sandstrände
machen Sousse zur wichtigen Station jeder Rundreise und zu einem idealen
Standquartier. Die zentrale Lage ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge
ins ganze Land. Im nördlichen Strandbereich wurden riesige Hotelkomplexe
gebaut, in Port El Kantaoui entstand eine ganz auf den Tourismus
ausgerichtete Stadt mit Jachthafen und Golfplatz und auch im südlichen
Bereich mit dem Flughafen Monastir-Skanes entstanden viele neue Hotels.
Geschichte
Durch
den schon in der Antike wichtigen Hafen wurde die Stadt von allen
Eroberern berührt, die im Laufe der Jahre in das Mittelmeerland
einfielen. Im 9. Jh. v. Chr. von Phöniziern gegründet, geriet Hadrumetum
im 6. Jh. in Abhängigkeit von Karthago. Im 3. Punischen Krieg stellten
sich die Bewohner auf die Seite der Römer und erhielten dadurch den Rang
einer freien Stadt. Dieses Privileg verloren sie jedoch, als sie Pompeius
unterstützten, der von Caesar geschlagen wurde und ihnen dieses Recht
nahm. Dennoch erlebte die Stadt aufgrund ihrer fruchtbaren Landwirtschaft
mit wichtigem Ölausfuhrhafen unter Trajan eine Blütezeit, zahlreiche Gebäude
wurden errichtet. Die Vandalen übernahmen die Stadt und nannten sie Hunericopolis,
als wichtiger byzantinischer Hafen hieß sie Justinianopolis.
675 wurde sie von Okba ibn Nafi zerstört und die Trümmer zum Bau von
Kairouan verwendet. Doch als wichtiger Hafen für die arabische Metropole
im Landesinnern erbauten die Aghlabiden im 9. Jh. Sousse neu im arabischen
Stil über den alten römischen Resten. Im 12. Jh. fielen die Normannen
ein und blieben elf Jahre. Später nutzten die Türken den Hafen als
Piratennest, die Spanier griffen im 16. Jh. an, die Franzosen lagen im 18.
Jh. vor der Stadt. Im 2. Weltkrieg wurde die nordöstliche Stadtmauer
durch einen Luftangriff zerstört.
Heute lebt Sousse nicht nur vom Tourismus, in
zahlreichen Ölmühlen werden die Oliven des Hinterlandes verarbeitet, in
Konservenfabriken am südlichen Stadtausgang die Produkte von
Landwirtschaft und Fischerei. In der Stadt und im Hinterland entstanden
moderne Textilfabriken, die vielen jungen Frauen eine - gering bezahlte -
Arbeit bieten.
Medina-Rundgang
Sehenswürdigkeiten bietet einzig die stark befestigte Altstadt, die
sich vom Hafen aus malerisch den Hügel hinanzieht. An der tiefsten
Stelle, dem Platz Ferhat Hached, ist der Mauerring während des letzten
Krieges zerstört worden. In der verkehrsreichen Innenstadt ist noch am
ehesten bei der Metro-Station ein Parkplatz zu finden, an der Kasbah ist
ein gebührenpflichtiger Parkplatz. Am Platz Ferhat Hached ist der
Haupteingang zur Medina.
Gleich zu Beginn fällt die imposante Große
Moschee (1) ins Auge, die im 9. Jh. unter den Aghlabiden nach dem Vorbild
der Okba-ibn-Nafi-Moschee in Kairouan erbaut wurde. Wie immer kann der
Besucher nur den Innenhof betreten, der an drei Seiten von einer Galerie
mit in Stein gehauenen Koransuren umgeben ist. Die beiden Ecktürme wurden
in kriegerischen Zeiten als Beobachtungsposten genutzt. Wer nur leicht
bekleidet kommt, muss eine Djellabah ausleihen.
Gegenüber ist der Ribat
vom Ende des 8. Jh. Als Kloster und Festung zugleich diente er den frühen
Glaubenskämpfern zur Verteidigung ihres eroberten Gebietes. Im Jahr 821
wurde der hohe, runde Wachtturm hinzugefügt, der eine Sichtverbindung und
Nachrichtenaustausch mit Monastir ermöglichte. Auch in Hergla gab es
einen solchen Signalturm, von dem heute nichts mehr übrig ist. Als 859
auf der höchsten Stelle der alten Stadt die Kasbah gebaut wurde, verlor
der Ribat seine Bestimmung und wurde als Gebetsraum genutzt, er verfiel
immer mehr. Ab dem frühen 18. Jh. fanden umfangreiche Renovierungen
statt, doch im 2. Weltkrieg wurde er schwer zerstört. Noch unter den
Franzosen wurde der Ribat in seinem ursprünglichen Aussehen
wiederhergestellt. Vom Signalturm aus hat man einen hervorragenden Blick
über die Stadt. Vom Turm in Blickrichtung Kasbah kann man das
fayencengeschmückte Minarett der türkischen Zaouia
Zoukak (3) erkennen. Die ehemalige Koranschule aus dem 18. Jh. wird
heute nur noch als Moschee genutzt und ist über die Straße gleich vor
dem Ribat zu erreichen. In den kleinen Gassen hinter dem Ribat sind einige
einfache Hotels und gute Restaurants.
Die Souks - Oberhalb
der Großen Moschee beginnen die Souks.
Als Mittelpunkt eines Fremdenverkehrszentrums kann man nicht erwarten,
eine unberührte orientalische Medina zu finden. Die Rue de l'Angleterre
ist in ihrem unteren Teil noch auf den Bedarf der Einwohner ausgerichtet.
Erst der gedeckte Souk mit einem Kaffeehaus zu Beginn und die parallel
verlaufende Rue de Paris sind angefüllt mit Souvenirläden. Und doch ist
ein Bummel durch die Gassen sehr reizvoll. Beide Hauptadern kreuzt der
Souk El Reba, das Viertel der Juweliere, die Schmuckhändler bieten
Goldketten mit dem Namenszug in Arabisch für wenige Dinar an. Ein
Wegweiser zeigt zur Kalaout
el-Koubba (2), einem tiefer liegenden, massigen Steingebäude
mit gerippter Kuppel ungeklärter Bestimmung. Die Orientierung ist relativ
einfach, da alle ansteigenden Wege zur oberen Stadtmauer führen und die
absteigenden zum Ausgangspunkt zurück. Die Rue Souk el Caid führt mit
vielen Treppenstufen direkt zum Bab el-Gharbi. Dort innerhalb der Mauer
nach links liegt im Gelände der Kasbah ein Gefängnis, vor dessen Toren
am Morgen Scharen von Frauen warten, um die dort einsitzenden Angehörigen
zu sehen und ihnen etwas zu essen zu bringen; davor eine Großbäckerei.
Zum Museum geht es jedoch außerhalb der Stadtmauer nach links.
Die Kasbah
entstand 859 zur besseren Verteidigung der Hafenstadt, erhalten ist
nur der Eingang mit den Mauern und ein Turm. Das Gebäude wird noch immer
militärisch genutzt und ist bis auf das Museum im Erdgeschoss nicht zugänglich.
Im Museum werden
Funde aus punischer, römischer und christlicher Zeit ausgestellt. Die Phönizier
hatten auf dem Gelände der heutigen Moschee einen Tophet wie in Karthago,
auf dem Kinder als Opfer für die Schutzgöttin Tanit verbrannt wurden. Ab
dem 4. Jh. wurden hier im Gegensatz zu Karthago aber fast nur noch
Tieropfer dargebracht. Ein eigener Saal ist den gefundenen Grabstelen und
Urnen gewidmet. Die römischen Mosaike sind ebenso bedeutend wie die im
Bardo aufbewahrten.
In der Medina gibt es viele hübsche Cafés, das schönste
allerdings ist das Café El Kasba.
Es wurde 2004 neu eröffnet in einem renovierten Altstadthaus auf vier
Etagen, ausgestellt wurden viele alte Werkzeuge und Gerätschaften, so
dass es mehr Museum als Café ist. Dort gibt es eine große Auswahl an
Kaffee und Tee sowie köstliche kleine Törtchen. In Zukunft soll auch
tunesische Küche angeboten werden.
Zu den Katakomben
geht es vorbei an dem Kasbah-Eingang etwa 1 km auf der Straße nach Sfax
bis zum Kreisverkehr, dann rechts ab noch etwa 500 m bergauf. Der Eingang
ist bei einem kleinen Park. Es handelt sich um eine christliche Gräberanlage
aus dem 2. bis 4. Jh., die erst 1888 von den Franzosen entdeckt wurde. Das
Stollensystem hat eine Länge von 5,5 km, aber nur ein kleiner Teil ist
begehbar. Die in Tücher gewickelten Toten wurden in Wandnischen
beigesetzt, die mit Steinplatten verschlossen wurden. Die Katakomben waren
1994 wegen Einsturzgefahr geschlossen, fragen Sie vor einer Besichtigung
im Museum nach.
Neustadt - Während
am Tage in der Medina ein lebhaftes Gewimmel herrscht, zieht es Einwohner
und Fremde abends in die Neustadt. Über den zentralen Platz Ferhat Hached
verlaufen noch die Schienen der Eisenbahn, die früher laut pfeifend
mehrmals am Tag ungesichert über den belebten Platz fuhr, aber seit
kurzen gibt es eine Umgehungsstrecke (der Bahnhof in Al-Qala'a as-sughra
wurde ausgebaut, und von dort fahren die Züge nach Süden jetzt östlich
an Sousse vorbei). An diesem Platz liegt das Büro des Syndicat
d'Initiative, das allerdings nur wenige Informationen bietet. Ausländische
Zeitungen gibt es gleich daneben. Die hier beginnende Avenue Habib
Bourguiba ist die Hauptgeschäfts- und Amüsierstraße mit Banken, Post,
Kinos, Straßencafés und Geschäften. Eine geruhsame Rast ist in den
Terrassencafés allerdings nicht möglich, Straßenhändler bieten unaufhörlich
Ketten und Kamele, Zigaretten und Nüsse zum Kauf an.
Gleich zu Beginn der Habib Bourguiba ist links
das ONTT-Büro, das wesentlich bessere Informationen über die Stadt
anbietet, z.B. einen Plan von Sousse mit Lage der Hotels. Die Hotelzone
beginnt schon in der Innenstadt. Besonders schön gelegen ist das Hotel
Abou Nawas Boujaafar. Über eine breite Treppe erreicht man die erste
Etage und findet dort einen herrlichen Swimmingpool, von dem aus man eine
kleine Badebucht erreicht. Gegenüber dem Hotel ist der Vogelpark, ein
kleines Freizeitgelände mit vielen Tieren, Café mit deutschen Kaffee und
Kuchen sowie ein Kinderspielplatz.
Am Hotel Boujaafar beginnt die breite
Strandpromenade Boulevard Hedi Chaker mit der Hotelzone, hier direkt am
Meer entlang, ideal zum bummeln. Gäste der Hotels an dieser Straße müssen
zum Strand diese Straße überqueren. Parallel dazu ist der Boulevard de
la Corniche mit unzähligen Restaurants, Cafés, Nightclubs,
Autovermietern und Tour Operators. Wer in Sousse wohnt braucht sich nicht
zu langweilen. Der Strand ist zwar öffentlich, aber die Hotels haben
jeweils eigene Abschnitte mit Liegen und Sonnenschirmen, auch die Hotels
in der Parallelstraße. Nach dem Komplex des El Hana-Hotels verlässt die
Straße den Strand und mündet in die Avenue 7 Novembre, alle Hotels an
dieser Straße haben dann direkten Strandzugang.
An der Route de la Corniche ist auch das kleine Olivenbaum-Museum
(in Höhe des Abou Nawas Nejma-Hotels). Dort kann alles rund um die Olive
und die Herstellung des Olivenöls besichtigt werden, die noch heute ein
wesentlicher Wirtschaftsfaktor des Landes ist.
Nach Norden setzt sich die Strandpromenade
nahtlos über Hammam Sousse bis nach Port El Kantaoui und Chott Meriem
fort. Während die Bebauung in Sousse noch dicht an dicht ist, die
Promenade vollgestopft mit Hotels, Restaurants und Boutiquen, wird es bei
Hammam Sousse schon wesentlich aufgelockerter. Hier wurde 1936 Zine
Al-Abidine Ben Ali geboren, der heutige Staatschef.
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