Matmata
Matmata
ist der Hauptort (5.000 Einwohner) des gleichnamigen Berglandes und
wichtige Station jeder Rundreise. Zunächst sieht man nur die Hauptstraße
und einige Steinhäuser inmitten einer hügeligen Mondlandschaft mit
verstreuten weißen Marabuts. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man
gleichmäßig runde Krater inmitten kleiner Erdhügel, die Wohnhöhlen
oder Troglodyten der
Berberfamilien. Von oben schaut man in einen schachtartigen Innenhof, von
dem mehrere Räume abgehen und in dessen Mitte sich eine Zisterne
befindet. Ein langer Stollen führt ins Freie, der Eingang ist meist schön
ummauert. Die Kinder sprechen die Besucher an und bieten eine Besichtigung
der elterlichen Behausung gegen einen Obolus. Oft werden drei und mehr
Dinar gefordert, es ist aber zu bedenken, dass der Tagelohn eines
Landarbeiters nur 3 D bei 12 Stunden harter Arbeit beträgt und selbst das
Bardo-Museum nur 2 D Eintritt verlangt. Bewohnt wird sie von einer Großfamilie,
jeder verheiratete Sohn hat einen eigenen Raum, es gibt ferner Küche und
Vorratsräume. Die Einrichtung ist erstaunlich gemütlich, eine
Besonderheit sind die heute selten gewordenen Möbel aus Reisig, die mit
Gips verkleidet und weiß gekalkt werden. Wissenschaftler befanden das
Wohnen in einer solchen Höhle als biologisch und angenehm, halten die
Lehmwände doch im Winter schön warm und isolieren im Sommer gut gegen
die Hitze. Die Herstellungskosten einer solchen Wohnung sind gleich null,
wenn man die Arbeit außer acht lässt, doch wer es sich leisten kann,
baut ein neues Haus mit Strom und Wasseranschluss. 1959 hat die Regierung
an der Straße nach Gabes vor den Dahar-Bergen Matmata Nouvelle gegründet,
mit Steinhäusern, Strom, Wasser sowie Schulen. Eine gute Seite des
Tourismus ist, dass die Schönheit und Zweckmäßigkeit der alten
Wohnformen wieder erkannt wird und etwas für den Erhalt der Troglodyten
getan wird, nicht zuletzt mit Hilfe der Besichtigungsgelder.
Lebensgrundlage
ist die Landwirtschaft, vor allem die Oliven. So haben einige Höhlen
eigene Olivenölpressen, die den Besuchern gern gezeigt werden. Die
Trockenheit der letzten Jahre hat der ganzen Region sehr zugesetzt, nur
selten können noch Oliven geerntet werden, die Jugend wandert in die Städte
des Nordens aus, Arbeitsplätze gibt es kaum.
Am Ortseingang von Gabes her ist auf der linken Seite eine Wohnhöhle,
die als Museum eingerichtet
wurde. Nahebei ist das Syndicat
d'Initiative. Im Sommer findet eine Ausstellung von einheimischer
Handwerkskunst statt, es werden Folklore und Reiterspiele gezeigt.
Mehrere Troglodyten wurden zu Hotels umgebaut,
in denen man sehr originell, aber recht einfach wohnt. Sie bestehen aus
mehreren aneinandergebauten Innenhöfen mit umliegenden, in den Berg
gegrabenen Räumen, zu denen man teilweise über eine Strickleiter
hinaufsteigen muss. In den Zimmern sind einfache aber saubere Feldbetten
oder Matratzen auf Betonsockel. Es gibt einen Sanitärblock mit warmen
Gemeinschaftsduschen. Reisegruppen kommen meist nur zum Essen, sie ziehen
ein klimatisiertes Luxushotel vor, dabei ist doch eine Nacht in diesen Höhlenhotels
sehr reizvoll. Die Übernachtung wird zusammen mit dem Abendessen für 8 -
9 Dinar pro Person angeboten. Die drei Hotels sind recht ähnlich in Preis
und Leistung, so dass man sich ganz nach Geschmack und freier Kapazität
"seine" Höhle aussuchen kann. Das Marhala hat auch Zwei-Bett-Höhlen,
während die anderen meist große Räume mit vielen Betten haben.
Ausflüge - Wer
etwas Zeit hat, sollte nicht nur das touristisch überlaufene Matmata
besuchen, sondern eine Fahrt in die Umgebung machen, die ebenfalls viele
Wohnhöhlen bietet und noch viel ursprünglicher ist. Ein Beispiel ist
El Haddej. Dazu Matmata auf der Straße nach Gabes verlassen. Nach 5
km rechts auf die Abzweigung nach El Haddej, 3 km. Der Ort liegt in einer
reizvollen Landschaft mit kleinen Schluchten und Palmen, es gibt Unmengen
von weißen Marabuts und nur wenige neue Häuser. Kinder laufen sofort auf
die Wagen zu und wollen die Höhlen zeigen. Die in manchen Karten
eingezeichnete Rückfahrtstrecke über die Berge nach Matmata ist nur ein
Eselspfad und für Pkw nicht möglich. Auch Beni
Zeltene hat viele Wohnhöhlen mit unterirdischen Ölmühlen und ist
ebenso wie Ain Tounine einen
Abstecher wert. |