Dougga
Wie Bulla Regia gehörte auch das antike Thugga
zum Reich des Berberkönigs Massinissa und lag an der strategisch
wichtigen Straße von Karthago nach Tebessa. 46 n. Chr. besetzten die Römer
die Stadt, lebten aber friedlich mit den Numidern und errichteten
unterhalb deren Siedlung ein neues Wohnviertel. Das fruchtbare Umland
brachte den Bürgern Wohlstand und ermöglichte großartige Bauten, von
denen eindrucksvolle Ruinen der Phantasie reichlich Nahrung bieten. Nach
einer Blütezeit im 2. Jh. n. Chr. begann im 3. Jh. der Niedergang. Die
Byzantiner befestigten die nicht ummauerte Stadt, nach dem Einfall der
Araber wurde sie bedeutungslos.
Rundgang
Leider hat man auch hier schon Reitkamele platziert,
obwohl doch niemand für einen Kamelritt zu dieser geschichtsträchtigen
Stelle kommt. Auch das Café ist mit seinen überhöhten Preisen eindeutig
eine Touristenfalle.
Am Eingang warten einige Führer, die recht
anschaulich den Zweck der Bauwerke erklären und sogar auf die günstigsten
Standpunkte für Fotos hinweisen. Das Entgelt sollte vorher abgesprochen
werden. Zwar kann einem bei einer solchen Führung kein wichtiges Denkmal
entgehen, doch kommt der Wunsch auf, einmal in Ruhe über die Steinbrocken
zu schlendern und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Ich empfehle
deshalb, etwas Zeit mitzubringen, den geführten Rundgang zu machen und
dann auf eigene Faust das Gelände noch einmal zu erkunden. Alle wichtigen
Sehenswürdigkeiten sind mit Hinweisschildern versehen.
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1
Tempel der Pieta
2 Platz
der Windrose
3
Kapitol
4
Forum
5
Byzantinische Festung
6
Licinius-Thermen
7
kleines Theater
8
Concordia-Liber-Tempel
9
Thermen der Zyklopen
10
Gemeinschaftsklo |
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Dem Eingang zunächst liegt das teilweise
restaurierte Theater, das auf
drei Rängen 2.500 Zuschauer fasste. Im Juli/August wird dort heute ein
Theaterfestival mit klassischen Dramen veranstaltet. Von seinen oberen
Stufen kann man sich ganz gut über das Gelände orientieren und sieht bis
zu dem numidischen Mausoleum. Durch die Stadt führen noch die alten,
gepflasterten Straßen, unter denen Kanäle das Zisternenwasser zu den
einzelnen Häusern brachten. Die Spuren der römischen Wagenräder sind
deutlich zu erkennen. Ein Rundgang gibt erstaunliche Einblicke in das römische
Leben, so etwa in das wohldurchdachte Heizungssystem oder die
Gemeinschaftstoilette für 12 Personen.
Zum Kapitol geht es über den Plattenweg, zunächst
vorbei an dem kleinen Tempel der
Pieta Augusta (1). Dann folgt der Platz
der Windrose (2), der nach der in den Stein geritzten Windrose mit den
Namen der zwölf Winde benannt ist. Dahinter ragt hoch die Säulenhalle
des Kapitols (3) auf, das noch gut erhalten ist. Unterhalb davon liegt
das Forum (4), das von den
Byzantinern zur Befestigung mit einer Mauer (5) versehen wurde, es sieht
dort ein wenig nach Kraut und Rüben aus.
Die hinter dem Kapitol verlaufende Pflasterstraße führt
zum Severus-Alexander-Bogen,
dahinter die große Ain-el-Hammam
Zisterne zur Speicherung des Regenwassers. Von den Olivenbäumen aus
trifft der Blick auf eine ummauerte Anlage mit Säulen in der Mitte, der Tempel der Juno Caelestis. Ein sehr großes Halbrund aus ursprünglich
24 Säulen hatte in der Mitte ein Heiligtum mit der Statue der Göttin, zu
dem Stufen hinaufführen.
Ein Trampelpfad führt hinüber zum Wohnviertel, über
Treppenstufen erreicht man wieder die gepflasterte Straße. Die Häuser
sind nicht sehr gut erhalten. Ein ummauertes Gelände mit großem Tor ist
der Dar el-Acheb, der einstige
Sklavenmarkt. Weiter auf dieser Straße liegen links die gewaltigen Licinius-Thermen (6), die man durch einen Stollen betritt, durch den
die Heizungsrohre für das Warmwasserbad verliefen. Etwas weiter führen
links einige Treppenstufen zu einem kleineren Theater (7), sozusagen ein Vorstadtkino, 1993 war man dabei, die
Ruinen freizulegen.
Rechts die Straße hinunter kommt man über einige
Treppenstufen zu den kleineren Zyklopenthermen
(9). Sie erhielten ihren Namen durch ein wunderschönes Mosaik, das die
Zyklopen Brontes, Steropes und Pyracmon beim Schmieden der von Jupiter
ausgesandten Blitzstrahlen zeigt. Es ist im Bardo im Dougga-Saal
ausgestellt. Im Haus dahinter ist die 12-sitzige Gemeinschaftstoilette
(10) mit Wasserspülung und Handwaschbecken. Nebenan, verbunden mit den
Thermen, ist das Haus Trifolium,
die prächtig ausgestattete, bisher größte ausgegrabene Privatvilla. Der
ursprüngliche Gebrauch ist umstritten, hartnäckig hält sich aber die
Theorie, dass es sich dabei um ein Bordell handelte. Klopfen Sie einmal
mit dem dort liegenden Stein auf den weiß gescheuerten Säulenrest. Der
hohle Block erzeugt einen hellen Klang, der als Einlassklingel gedeutet
wurde. Ein am Eingang befindliches Phallussymbol wurde schamhaft entfernt.
Unten liegt ein luftiger Säulenhof, von dem etliche kleine Räume
abgehen.
Von hier aus sind es nur einige Schritte zu dem im
Tal außerhalb der eigentlichen Stadt erbauten 21 m hohen numidischen Turmmausoleum.
Eine an diesem Denkmal gefundene Inschrifttafel wurde 1842 vom britischen
Konsul entfernt und ins Britische Museum in London geschafft. Bei dieser
Gelegenheit wurde das Denkmal stark beschädigt, aber Anfang des 20. Jh.
in seiner alten Form restauriert. Die Tafel enthält in phönizischer und
in der alten libyschen Sprache eine Inschrift zur Lobpreisung eines
gewissen Ateban, der um 200 v. Chr. starb. Damit war den Wissenschaftlern,
die die phönizischen Lettern bereits kannten, erstmals ein Schlüssel zur
Entzifferung der untergegangenen Sprache in die Hand gegeben. In der Nähe
noch der Bogen des Septimus Severus,
193 n. Chr. als erster Afrikaner zum römischen Kaiser ernannt. |